Ausbildung zum Prozessfachmann

Um meine jetzige Stelle als technischer Sachbearbeiter bei der Firma Schmid AG in Eschlikon ausüben zu dürfen, musste ich mich verpflichten die Weiterbildung zum Prozessfachmann erfolgreich zu absolvieren.
Im Oktober 2007, lernte ich am ersten Abend meine neuen Klassenkameraden kennen. Nach ganz kurzer Vorstellung ging es dann mit Algebra und Mathematik los. Ein ziemliches Tempo wurde an diesem ersten Abend an den Tag gelegt.
In der dritten Woche mussten wir uns dann vor der Klasse zum ersten Mal Präsentieren. Mit einer persönlichen Vorstellung musste ich der Klasse von meinen Hobbys, beruflichen Werdegang usw. erzählen. Dabei wurde mir vor Nervosität ziemlich warm und ich bekam Schweissausbrüche.
Das erste Semester bestand aus den Fächern Mathematik, Qualitäts- und Umweltmanagement  und Arbeitsmethodik und –Systematik.
Zu Beginn dieses Semesters lernte ich auch einen Kollegen aus meiner Umgebung kennen, mit dem ich dann auch eine Fahrgemeinschaft bildete. Durch eine erste Gruppenarbeit lernten wir auch weitere Kollegen näher kennen. Am Ende des Semesters mussten wir dann über jedes Modul eine Prüfung ablegen. Diese konnte ich erfolgreich Absolvieren.

Das zweite Semester bestand aus den Fächern Arbeitsgestaltung und Fertigungsplanung, Zeitwirtschaft, Rechnungswesen und Unternehmensführung. Auch hier mussten wir wieder einige Gruppen-Projekte ausarbeiten und präsentieren. Aus meiner Sicht war das zweite Semester das strengste, da wir meistens drei Abende in der Woche in die Schule mussten. Darunter litt auch mein Hobby, dass Fussballspielen. So konnte ich kaum mehr ein Training besuchen und wurde für die Spiele auch nicht mehr aufgestellt (ich berichtete darüber).
Bei den Semesterprüfungen zog ich im Fach dann am Ende des Semesters auch meine einzige ungenügende Abschlussnote ein. Eigentlich hatte ich mit dem Fach Zeitwirtschaft und Rechnungswesen weniger Probleme, doch bei der Abschlussprüfung hatte ich einen klassischen Black-Out. Ich sass vor einem Formular welches ich am Abend zuvor noch gelöst hatte, konnte mich aber beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wie ich das lösen musste. Mit einem 3.5 musste ich dieses Fach als Streichresultat abschreiben.

Bereits während dem dritten Semester stellten wir uns langsam aber sicher auf die eidgenössische Prüfung ein. Mit den Fächern „Produktionsplanung und –steuerung“, „Materialwirtschaft“ und „Produkt- und Leistungsentwicklung“ wurden die Abende in der Schule für etwas einfacher, da ich aus meiner Stelle aus der AVOR bei der Firma Schmid AG bereits sehr gut über PPS informiert war.
Mit dem Dozent des Faches PPS hatte ich zwar das „Heu nicht auf der selben Bühne“ aber ich konnte mich trotzdem gerade noch durchmogeln und bekam für dieses Fach am Ende auch noch ein glatte vier.

Auf dem sogenannten „Homerun“ im letzten Semester standen noch die Fächer „Vertrags- und Rechtslehre“, „Marketing“, „Wartung“ und „Vernetzung der Module“ auf dem Stundenplan.
Die Rechtslehre wurde von einem praktizierenden Anwalt vorgetragen, welcher uns mit sehr typischen Beispielen aus dem (manchmal etwas versauten Bereich des Lebens) zum Lachen brachte und einige sehr nützliche Tipps mit auf den Weg gab.
Unser Dozent im Bereich der „Wartungen“ war ein sehr junger Typ, der sich wirklich Bemühte uns etwas über die Vorteile der Wartung beizubringen (Anmerkung: Ich stehe zu einer unverschlüsselten Bewertung Wink). Er ermöglichte uns auch eine Führung durch die Produktion der Firma Bühler in Uzwil.
Das Highlight dieses Semesters war aber auf jeden Fall unser Ausflug in die Sonnenstube der Schweiz, mit unserem Fallschirmsprung!

Ja, okay, die eidgenössischen Prüfungen waren auch ein Highlight, aber wie bereits gesagt: „Nicht das Ziel ist es manchmal, sondern der Weg ins Ziel!“ (Zitat, Remo Homberger, Prozessfachmann).

So durften wir die ganze Klasse am 4. und 5. November 2009 in St. Gallen zu den eidgenössischen Prüfungen antreten.
Am ersten Abend hatte ich bereits so viel über Raclette-Öfen geschrieben und gegrübelt, dass ich eigentlich kein schlechtes Gefühl hatte. In den Diskussionen mit meinen Klassenkameraden stellte ich dann aber fest, dass eine Rechnung die ich nicht gelöst hatte ziemlich Zeitintensiv war. Ich entschied mich während der Prüfung die Rechnung auszulassen und mit einem angenommenen Wert weiterzufahren. Was wohl nicht die schlechteste Entscheidung war.
Am zweiten Tag mussten wir anhand der Aufgabenstellung, einen Arbeitsplatz für die Herstellung von Sandwiches ergonomisch Darstellen und einen Tankstellen-Shop Marketing-Technisch planen. Naja, ich verliess mich dabei auf den Alltag und richtete den Laden so ein wie wir uns das gewohnt sind. Diese Entscheidung war auch nicht sehr schlecht wie sich anhand der Noten herausstellte.
Ich hatte vor den Prüfungen den Eindruck das ganze Durchschaut zu haben und konzentrierte mich Hauptsächlich auf Abwicklung, Sachlich- und Übersichtlichkeit meiner Lösungen, was sich als gute Mischung herausstellte.
Mit einer glatt getroffenen 5 am ersten Tag und einer 4.8 am zweiten Tag konnte ich mich zusammen mit dem Klassenchef zu den Besten der Klasse zählen!
Die Freude war natürlich riesig, als ich das Resultat Anfangs Dezember erhielt! Das Diplom sollten wir bis Mitte März auch erhalten. Naja, an dieser Stelle als „Prozessfachmann mit eidgenössischem Fachausweis“ denke ich, könnte dieser Prozess bestimmt noch um einiges Optimiert werden! Vielleicht erstelle ich beim VBM einen KVP-Punkt (Verbesserungsvorschlag)

Ab sofort bin ich berechtigt, folgende Titel zu führen:
„Prozessfachmann mit eidgenössischem Fachausweis“ auf Deutsch
„Agent de processus avec brevet féderale“ auf Französisch
„Specialista aziendale in processi con attesto professionale federale“ auf Italienisch

Und mein persönlicher Favorit in der englischen Sprache:
„Process Specialist with Advanced Federal Certificate of Higher Vocational Education and Training“
Hier stellt sich einfach die Frage ob der Platz auf der Visitenkarte oder als Eintrag im Telefonbuch reicht…Cool

Und nun möchte ich noch allen meinen Klassenkameraden welche Bestanden haben, herzlich Gratulieren! Diejenigen die es nicht gepackt haben für die Wiederholung viel Erfolg!

5 Gedanken zu „Ausbildung zum Prozessfachmann

  1. cipri

    Guten Tag

    Ich wollte dich unbedingt noch fragen, ob es vielleicht möglich wäre, schon beginn dieser Schule in diesem Bereich zu arbeiten. Ich arbeite in diesem Moment als Polymechaniker und würde gerne schon jetzt beginnen diesen Beruf besser kennen zu lernen. was meinst du ? Gibt es denn Betriebe die mich anstellen würden ?

    Antworten
    1. Michi Beitragsautor

      Hallo cipri
      Klar doch, die Schule ist dazu da, dich in diesem Bereich weiterzubilden. Anschliessend hast du das Verständnis für Abläufe, wie sie zum Beispiel in einer mechanischen Abteilung zu optimieren sind.
      Am Besten du schaust mal bei einem Weiterbildungszentrum in deiner Umgebung, was Schulstoff alles beinhaltet, oder du besuchst einen Info-Abend.
      Gruss,
      Michi

      Antworten
  2. Curatolo Martin

    Hallo Michi,
    ich arbeite seit etwa 10 Jahren in der Auftragsabwicklung eines Lebensmittelkonzerns.
    Zu meinen Aufgaben gehört auch die Produktionsplanung.
    Um weiter zu kommen möchte ich die Ausbildung zum Prozessfachmann absolvieren.
    Meine Frage: Wie weiss ich, ob ich für diese Ausbildung nicht zu dumm bin ?
    Was wenn ich absolut eine Banause in Algebra bin ?
    Danke für deine wertvolle Zeit um mir zu antworten.
    Dir wünsche ich Alles Gute und viel Erfolg.
    Gruss Martin

    Antworten
    1. Michi Beitragsautor

      Hallo Martin
      Zu dumm bist du für eine Weiterbildung nie. Es gibt Dinge die du vielleicht nicht auf Anhieb verstehst, jedoch mit Lernen, Fleiss und evtl. Nachhilfe auch hin bekommst.
      Bei Algebra ist es so, dass wenn du den Zusammenhang mal verstehst, diese Logik lösen kannst 😉
      Die Ausbildung umfasst 12 Module. 10 musst du bestehen, damit du an die eidg. Prüfung zugelassen bist. Somit kannst zwei in den Sand setzen 😉
      Ich habe übrigens auch nicht alle Bestanden…
      Wenn du die Abläufe und Zusammenhänge einer Produktion verstehen oder vertiefen möchtest, ist die Weiterbildung sicher nicht das schlechteste. Ich empfehle dir daher, mal einen Info-Anlass zu besuchen, dort kannst du auch direkt deine offenen Fragen stellen.
      Mir hat diese Ausbildung sehr viel gebracht und ich kann sie empfehlen 🙂
      Gruss,
      Michi

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